Genfer Rechenzentrum heizt 6’000 Haushalte: Infomaniak gewinnt den Green Business Award
Medienmitteilung, Bern/Luzern, 4. September 2026
Die Infomaniak Network SA aus Les Acacias (GE) gewinnt mit ihrem Rechenzentrum D4 den Green Business Award in der Kategorie KMU / Corporates. Das vollständig unterirdische Rechenzentrum in Genf nutzt die gesamte beim Serverbetrieb entstehende Wärme und speist sie ins städtische Fernwärmenetz ein. Damit können im Winter bis zu 6’000 Haushalte beheizt werden. D4 kommt ohne herkömmliche Klimatisierung und ohne externe Wasserversorgung aus.
Der Green Business Award wird dieses Jahr erstmals in zwei Kategorien vergeben. Denn wenn die Wirtschaft Teil der Lösung sein soll, braucht es nicht nur neue, disruptive Technologien von Scale-ups. Es braucht auch KMU und Corporates, die ihre bestehenden Geschäftsmodelle transformieren. So entsteht Breitenwirkung. Der Green Business Award zeichnet Unternehmen aus, die bei dieser Transformation als Pioniere vorangehen und ganze Branchen verändern. Wie das konkret aussehen kann, zeigt der diesjährige Gewinner in der Kategorie KMU / Corporates, der die beim Serverbetrieb entstehende Wärme für die Wärmeversorgung nutzt.
Vom Energieverbraucher zum Energielieferanten
Server erzeugen im Betrieb kontinuierlich Wärme. In herkömmlichen Rechenzentren muss diese mit Kühlsystemen abgeführt werden. D4 nutzt sie stattdessen als Energiequelle für die Umgebung. Der Strom versorgt zunächst die Server, die dabei entstehende Wärme fliesst anschliessend ins Fernwärmenetz.
«Mit D4 wird digitale Infrastruktur Teil der lokalen Energieversorgung. Die Wärme entsteht beim Betrieb ohnehin – Infomaniak macht sie für die Bevölkerung nutzbar. Das zeigt sehr konkret, wie sich eine ökologische Herausforderung in einen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Mehrwert verwandeln lässt», sagt Cédric Habermacher, Direktor von Green Business Switzerland.
D4 arbeitet mit drei geschlossenen Luft- und Wasserkreisläufen und benötigt dadurch keine externe Wasserversorgung für die Kühlung. Infomaniak speist die Wärme in das Fernwärmenetz ein und verkauft sie während 20 Jahren zum Selbstkostenpreis. Nach Berechnungen des Enterprise for Society Center (E4S) kann D4 bei voller Auslastung jährlich 3’600 Tonnen CO₂-Äquivalente gegenüber einer Erdgasheizung und 5'500 Tonnen gegenüber einer Holzpelletheizung vermeiden.
Die Dokumentation des Rechenzentrums ist vollständig als Open Source auf d4project.org verfügbar. Damit können andere Unternehmen und Betreiber auf das Konzept zugreifen und dessen technische Ansätze für weitere Rechenzentren nutzen.
«D4 löst eine zentrale Aufgabe digitaler Infrastruktur auf überzeugende Weise: Die beim Betrieb entstehende Wärme wird vollständig wiederverwertet und in ein öffentliches Energienetz eingespeist. Gleichzeitig macht Infomaniak das Konzept frei zugänglich. Diese Verbindung von ökologischer Wirkung, wirtschaftlichem Nutzen und Übertragbarkeit hat die Jury überzeugt», sagt Doris Leuthard, Alt-Bundesrätin und Präsidentin der Jury.
Infomaniak setzt sich im Finale durch
Am 3. September präsentierte Infomaniak das Rechenzentrum D4 vor der Hauptjury unter dem Vorsitz von Doris Leuthard. Das Unternehmen setzte sich gegen die BELIMO Automation AG mit der datenbasierten Optimierungslösung RetroFIT+ und die Vögeli AG Marketingproduktion & Druck mit kreislauffähigen Druck- und Verpackungslösungen durch. Die Auszeichnung wurde anschliessend am Maillot Vert Sommerfest in Luzern überreicht.
«Diese Auszeichnung ist ein Signal, dass wir im Angesicht der Umweltkrise und des KI-Booms mutig neue Wege gehen müssen. Sie bestätigt: Rechenzentren dürfen nicht nur Energie verbrauchen, sie müssen der Allgemeinheit dienen. Der wahre Wert von D4 liegt in seiner Kopierbarkeit, und genau dabei hilft uns dieser Preis. Wir haben alle Pläne offengelegt, damit andere folgen können, und danken allen, die an diese notwendige Transformation geglaubt haben», sagt Boris Siegenthaler, Gründer und Chief Strategy Officer Infomaniak Network SA.
In der Kategorie ScaleUps stehen AgroSustain, OceanSafe und Meteomatics im Finale. Der Gewinner wird am 12. Februar 2027 am Impact Circle Event in Gstaad gekürt.
Green Business Award
Der Green Business Award zeichnet seit 2019 jährlich die innovativsten Schweizer Unternehmen aus, die ökologischen Impact mit ökonomischem Erfolg verbinden. In der ersten Phase des Auswahlprozesses nominieren rund 40 nationale Scouts aus Wirtschaft und Wissenschaft die besten Lösungen ihrer Branche für den Award. Daraus wählt eine interdisziplinär zusammengesetzte Vorjury die drei Finalisten je Kategorie aus. Diese präsentieren sich mit einem Pitch vor der Hauptjury unter dem Vorsitz von Alt-Bundesrätin Doris Leuthard, die den Gewinner je Kategorie kürt. Dieser Jury gehören 14 weitere bekannte Persönlichkeiten an, u.a. Reto Knutti (ETH-Professor in Klimaphysik), Michèle Rodoni (CEO die Mobiliar), Pascal Grieder (CEO der Schweizerischen Post), Christoph Brand (CEO Axpo Gruppe) sowie Unternehmerin Patrizia Laeri. Der Gewinner in der Kategorie KMU / Corporates wurde am 3. September 2026 am Maillot Vert Sommerfest in Luzern bekannt gegeben, jener in der Kategorie Scale-up am 12. Februar 2027 am Impact Circle Event in Gstaad. Die Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) begleitet den gesamten Awardprozess als Wissenschaftspartnerin.
Green Business Switzerland
Green Business Switzerland rückt den positiven Zusammenhang zwischen unternehmerischem Erfolg und nachhaltigem Handeln in den Fokus. Hinter der zukunftsweisenden Kooperation zentraler Akteure aus Wirtschaft und Umweltschutz stehen u.a. Go for Impact, das BAFU, economiesuisse, öbu, die Schweizerische Umweltstiftung, Scienceindustries, Swisscleantech, Swissmem, Swiss Textiles und der WWF Schweiz.
Partner
Axpo, die Mobiliar, die Schweizerische Post und economiesuisse unterstützen den Award als Partnerinnen und gleichzeitig als Vorreiterinnen für Nachhaltigkeit in ihren Branchen.
Medienmitteilung: Infomaniak Network SA gewinnt Green Business Award
PDF 177 KB
Sara Gutierrez-Osmani